Wer die Dichter liebt, gewinnt ein Königreich

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Wandeloper mit Studenten: "Lalla Rûkh" hat heute bei den Eutiner Festspielen Premiere

Schlossgarten Eutin. Die ganze Welt ist eine Bühne, sagt Shakespeare. Die Eutiner Festspiele machen heute, bei der Premiere der Oper "Lalla Rûkh" von Gaspare Spontini, immerhin die ganze Welt des Schlossgartens zur Bühne. Dass darin alle Frauen und Männer bloße Spieler sind, sieht man schon an den prächtigen Kostümen, die die Akteure - darunter Studierende der Lübecker Musikhochschule - als Leihgaben der Deutschen Oper Berlin bei den Aufführungen tragen dürfen. Sie treten auf und gehen wieder ab, aber damit Shakespeare recht behält, nicht nur sie: Das Publikum muss sich mit ihnen bewegen, denn "Lalla Rûkh" ist eine sogenannte Wandeloper, bei der es keine feste Bühne gibt, sondern jede Szene sich vor anderem, zu erlaufenden Dekor entfaltet.

Sein Leben lang spielt jeder manche Rollen. Eine davon führte den zu Lebzeiten gefeierten, heute bis auf die Oper "Die Vestalin" weitgehend vergessenen italienischen Komponisten Gaspare Spontini im Jahr 1820 an den Hof des Königs Wilhelm III. von Preußen nach Berlin. 21 Jahre lang diente er ihm als Generalmusikdirektor, ehe er über Paris zurück nach Italien ging. Für die Berliner Hofoper vertonte Spontini 1821 eine vier Jahre zuvor erschienene Romanze des englischen Poeten Thomas Moore, "Lallah Rookh". Das Wort stamme aus dem Persischen und heiße die "Die Tulpenwangige", belehrt uns die englische Ausgabe von Wikipedia. In persischer Poesie sei dies gängiger Lobpreis für schöne Frauen.

Besagte junge Dame mit den Tulpenwangen ist eine Herrscherstochter, die der Vater einem jungen König zur Ehe versprochen hat. Auf dem Weg zu ihrem Gatten in spe verliebt sich das Tulpenmädchen in den Dichter Feramors, einen Dichter aus Kaschmir, der in ihrem Gefolge reist. Wer beschreibt ihr Glück, als sich im Königshof ihr Bräutigam und der tolle Dichter als ein und dieselbe Person erweisen! So viel zur Kraft schön erzählter Geschichten. Sie gelten gerade so viel wie ein Königreich, sind also unbezahlbar.

Schon Spontini hatte das galante Spektakel als Wandeloper erdacht. Karl Friedrich Schinkel, der der Welt ansonsten weit Bleibenderes hinterließ, besorgte ihm die Ausstattung. Für Eutin hat sich der renommierte Regisseur Martin E. G. Anhalt, der mit seinem Off-Musiktheater Antares einige viel beachtete Inszenierungen vorlegte - in Hamburg zuletzt "Stripsody" und "Das Medium" als Gastspiel im Opernloft - des alten Stoffs angenommen. Ein Holzbläserquartett aus Lübeck mit Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott sowie zwei Musiker an Horn und Schlagzeug erwecken Spontinis Notentext zum Leben. Franziska Stürzel (Prinzessin) und Birgit Böckeler (Hofdame aus Delhi) studieren ebenfalls in Lübeck.

Lalla Rûkh, So 8.8. 11.00, Schlossgarten, Am Schlossgarten 7, 23701 Eutin, Karten zu 25,- zzgl. Vvk.-Geb. unter T. 04521/70 97 34 (TRS)

Hamburger Abendblatt, 02.08.2010

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