Stimmiges Entertainment
01.01.1970
„Die lange Nacht des Vokal-Jazz“ bei den Eutiner Festspielen
Im Jazz geht es darum, Geschichten zu erzählen, schöne, traurige, bluesige, aufregende, sinnliche. Die Story macht die Musik. Wer da etwas zu sagen hat, dem hört man gern zu. Deswegen ist die Geschichte des Jazz auch voller großartiger Vokal-Künstlerinnen und –Künstler, die mit ihrem eigenen Tonfall, mit ihrem individuellen Stil dafür sorgen, dass man sie nach wenigen Noten, nach einigen Phrasen klar erkennt. Das ist die Kunst. Das ist das Vergnügen. Die Eutiner Festspiele bieten dafür eine Bühne und haben in diesem Sommer erstmals eine „Lange Nacht des Vokal-Jazz“ in ihr Programm genommen. Hier stellen sich am 16. Juli im reizvollen Ambiente des Schloss-Innenhofs junge Jazzer vor, die schon jetzt das Zeug dazu haben, einmal zu den ganz Großen ihres Fachs zu zählen. Drei Bands, die sich während des Jazz-Studiums an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater gebildet haben, stehen im Mittelpunkt dieses Vocal-Marathons, der von der Hamburger Star-Sängerin Ulita Knaus moderiert wird.
Das Quintett Jazzpottery wurde im letzten Jahr vom Pianisten Nikos Titokis gegründet und gilt seitdem als heißer Tipp in der Hamburger Jazz-Szene. Die Band um die Schweizerin Noemi Campisi hat sich mit den anderen Preisträgern Anfang Juli mit einem Workshop und Konzerten im römischen „Casa del Jazz“ präsentiert, ihr nächster Auftritt führt sie zu den Eutiner Festspielen. Titokis wurde 2009 mit einem Jazz-Stipendium der Dr. E.A. Langner-Stiftung ausgezeichnet, sein Drummer Konrad Ullrich erhielt diese renommierte Auszeichnung 2006. Jazzpottery steht in der klassischen Tradition, doch Campisis eleganter Gesangsstil gibt ihrem Repertoire, das zu großen Teilen von Titokis komponiert wurde, eine coole zeitgemäße Note und verspricht jungen, kosmopolitischen Jazz.
Die zweite charismatische Stimme des Abends ist die von Joscheba Schnetter. Sie bewegt sich gekonnt zwischen den Genres, vermischt Singer-Songwriter-Balladen mit Pop-Einflüssen und Jazz-Elementen. So entstehen einzigartige, stimmungsvolle Songs, die lange im Gedächtnis bleiben. Als Einflüsse nennt sie so unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler wie Dianne Reeves, Sting, Holly Cole, Rigmor Gustaffson, Rebekka Bakken, Camille und Beady Belle. Begleitet wird Schnetter von dem Quartett Trip To Tickle-Toe um den Pianisten Buggy Braune, der seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Pianisten der norddeutschen Jazz-Szene gehört. Er hat unter anderem mit Jazz-Legenden wie Herb Geller, Anthony Braxton und Jack Walrath gespielt.
Das dritte Projekt der „Langen Nacht“ ist eine Band, die sich mit der mitreißenden Vielfalt der brasilianischen Musik beschäftigt. Bei brasilogy dreht sich alles um die Stimme von Carolina Meleán. Dass in diesem Sextett zwei Jazzpottery-Musiker – Nikos Titokis (p) und Konrad Ullrich (dr) – mitwirken, zeigt, wie vielseitig die jungen Stars der Hamburger Jazz-Szene sind. Der Gitarrist Malte Buchberger sorgt für eine Extra-Dosis von südamerikanischem Feeling – er spielt Kompositionen des Gitarristen Chico Pinheiro aus Sao Paolo, der mit seinen Platten regelmäßig in den brasilianischen Charts vertreten ist und schon mit Stars wie Dianne Reeves, Bob Mintzer, Brad Mehldau, Esperanza Spalding, Chris Potter, Eddie Gomez, Claudio Roditi und Giovani Hidalgo gespielt hat.
Ulita Knaus wächst mit einer aus Venezuela stammenden Mutter und einem deutschen Vater in einem musikalischen Elternhaus auf. Mit sechs Jahren beginnt sie Klavier zu spielen und träumt davon, Musikerin zu werden. Zwölf Jahre später hat sie ihre ersten Gehversuche in Sachen Komposition hinter sich. Sie studiert in Hilversum Jazzgesang. Im Anschluss daran siedelt sie nach Hamburg. Eine persönliche Begegnung mit ihrem Vorbild, der Jazzsängerin Dianne Reeves, stellt die Weichen für ihr weiteres Leben, sie geht mit ihrem eigenen Ensemble ins Studio und auf Tournee. In Mischa Schumann (Piano), Gerold Donker (Bass) und Heinz Lichius (Schlagzeug) findet Knaus kreative Weggefährten, die ihre Vision teilen. Knaus ist eine leidenschaftliche Aktivistin für die Hamburger Jazzszene, gibt Gesangsunterricht, hat die Vocal Session im Traditionsclub „Birdland“ mitbegründet und kümmert sich auch um die Nachwuchsförderung. 2007 erobert Ulita Knaus mit ihrer Band und dem Album „It's The City“ die Kritikerherzen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ jubilierte über die „eigenwillige Schönheit“ ihrer Musik, „der man mit jedem Ton anhörte, daß sie Zeit hatte zu reifen“. Als Ulita Knaus den Hamburger Jazzpreis 2009 erhielt, schrieb Stefan Hentz in der „Welt“, sie sei „eine Musikerin unter den Sängern, die sich von Beginn ihrer Laufbahn an nicht auf die Wege eingelassen hat, wo sich die Sängerinnen so herumtreiben, rauchen, hauchen, Nachtclub spielen und die Aura der Fünfziger-Schwarzen-Serie beschwören“.
Lange Nacht des Vokal-Jazz
16. Juli, 20.30 Uhr, Schloss Eutin, Innenhof
Mitwirkende:
Jazzpottery feat. Noemi Campisi
brasilogy feat. Carolina Meleán
Trip To Tickle-Toe feat. Joscheba Schnetter
Moderation: Ulita Knaus
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